LKE 1912
40 jähriges Jubiläum 1912 mit Fahnenweihe

Chronik des Liederkranzes

Das Protokoll berichtet sehr ausführlich von einem großen Erlebnis in Stuttgart im Jahre 1896. ,,Der Festzug der Sänger bewegte sich am königlichen Schloß vorbei. Als die wackeren Sänger in Bauerntracht dort ankamen und der Vorstand Jakob Friedrich Schäfer ein donnerndes Hoch auf seine Majestät ausbrachte, geruhte der König huldvoll den treuen Sängern aus Echterdingen zuzuwinken". Der wackere und sehr umsichtige Vorstand Jakob Friedrich Schäfer betreute den Verein bis zum Jahre 1898.
Sein Nachfolger wurde Ökonom Arnold. Im Jahre 1900 wurde dann Johannes Fehrle zum Vorstand des Liederkranzes gewählt. Was dieser Mann in beinahe drei Jahrzehnten seiner Amtsführung geleistet hat, kann nur bewundert werden. Er war der Mann des Ausgleichs. Aus vielen Berichten geht hervor, wie er in kritischen Augenblicken im Leben des Vereins die richtige Entscheidung fällte.
Zu gleicher Zeit übernahm Adolf Braun aus Möhringen die Chorleitung. In den sechs Jahren seiner Tätigkeit nahm der Verein an mehreren Wertungssingen teil und erzielte immer recht beachtliche Erfolge.
Im Jahre 1907 gab Lehrer Stütz aus Neuhausen eine kurze Gastrolle. Durch seine Versetzung war der Verein wieder gezwungen, auf Dirigentensuche zu gehen. Die Wahl fiel auf Hauptlehrer Volk aus Neuhausen. Als Mann mit guten Musikkenntnissen und reicher Erfahrung nahm er mit seinen 41 Echterdinger Sängern am Wertungssingen des Schwäbischen Sängerfestes in Heilbronn teil. Ungünstige organisatorische Umstände und Regenwetter brachten den Verein beim Vortrag seines Gesanges nicht in die beste Wirkung. Das glücklose Abschneiden versetzte die sieggewohnte Sängerschar so in Harnisch, daß der Zieglerbuo (Louis Steckroth) seinen extra für das Sängerfest gekauften Regenschirm von der Brücke in die reißenden Fluten des Neckars mit der Bemerkung warf: ,,Jetzt brauch i au koin Schirm meh!" Recht gedemütigt fuhren sie ohne Preis nach Hause.
Der gute Ruf des Vereins bewirkte, daß im Jahr 1911 der weit über die Grenzen der Filder hinaus bekannte und sehr begehrte Chormeister Göppel aus Neuhausen die Leitung des Liederkranzes übernahm. Den ehemaligen Verkehrsverhältnissen entsprechend stellten die Mitglieder für jede Singstunde ein Pferdefuhrwerk zur Verfügung, das den Dirigenten nach Hause brachte.
Das große Können des Vereins kam zum Ausdruck bei der Fahnenweihe und dem 40jährigen Jubiläum 1912, an dem Louis Schneider zum Fahnenträger gekürt und ein rauschendes Fest mit vielen auswärtigen Vereinen gefeiert wurde. Dass damals die Fahne eine kirchliche Weihe empfing, und der Verein sich zur Tradition machte, an jedem Silvesterabend in der Kirche zu singen, zeigt die innere Verbundenheit zu Kirche und Gemeinde.
Einen großen Erfolg errang der Liederkranz bei der Teilnahme am Wertungssingen beim Schwäbischen Sängerfest 1913 in Tübingen. Mit 34 Sängern erkämpfte er einen 1. Preis im gehobenen Volksgesang. Chormeister Göppel erhielt vom Verein als Geschenk einen Pferdehuf in den ein Tintenfaß eingearbeitet war. Drechslermeister Klauser überreichte einen Garderobenständer mit der Inschrift: ,,Gedenke, daß ohn' Kampf und Sieg, noch keiner zum Triumpfe stieg".

1914 war der Verein bis zum Kriegsausbruch im Dienste der örtlichen Begebenheiten wie Hochzeiten, Ständchen und Beerdigungen. Viele Sänger wurden dann zum Militär einberufen. Das Sängerleben verstummte.

Fehrle
Johannes Fehrle

Nach den schweren Kriegsjahren bemühte sich Johannes Fehrle, die Sänger wieder um sich zu scharen. Viele treue Sänger hatte dieser schreckliche Krieg hinweggerafft. Junge Sänger mussten geworben werden. Eine gute Freundschaft verband den Liederkranz mit dem Gesangverein Eintracht Neuhausen. Gegenseitige Besuche trugen zur Belebung und Förderung des Gesangswesens nicht unerheblich bei. An Silvester 1919 konnte der Liederkranz mit 60 Sängern die Feier in der Kirche verschönern.
Im Jahre 1921 wurde der Gau Stuttgart gegründet, dem auch unser Verein beitrat. Der Gau zählte 80 Vereine.
Das nächste Jahr brachte für den Verein die große Aufgabe, die 50jährige Jubiläumsfeier zu organisieren und durchzuführen. Alle halfen mit. Vernehmen Sie, was Hans Baum, Schriftleiter des Schwäbischen Sängerblattes, beobachtete und unter anderem uns berichtet:

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